Profil

Grußwort des Kulturministers Litauen Herr Šarūnas Birutis

Der seit sechs Jahren wehende Nordwind verwandelt sich zusehends in einen mächtigen kulturellen Wirbelsturm, der neue Flächen, Szenen und Namen mitnimmt. Ich freue mich, dass dieser Windstoß nun auch durch Litauen weht.

In den letzten Jahrzehnten baute Litauen ein umfassendes zeitgenössisches Theaternetzwerk auf, das stark mit der globalen Theaterkultur verknüpft wird. In Litauen, so heißt es, gibt es trotz seiner Größe mehr bemerkenswerte und talentierte Regisseure als in anderen europäischen Ländern. Wir sind stolz auf unsere Regisseure Oskaras Koršunovas, Eimuntas Nekrošius und Rimas Tuminas, die auch über die Landesgrenzen Grenzen hinaus dem europäischen Publikum bekannt sind. Nicht nur in Litauen, sondern auch in Skandinavien, Italien und Russland spielen diese Regisseure im Rahmen der Theaterkunst eine entscheidende Rolle.

Das NORDWIND Publikum hat während des Festivals die Möglichkeit eine Inszenierung von dem renommierten litauischen Regisseure der mittleren Generation, Oskaras Koršunovas, zu erleben. Ohne das von Koršunovas gegründete Theater OKT / Vilnius City Theatre ist die litauische Theaterszene nur noch schwer vorstellbar. Seine Inszenierung „Nachtasyl“, die in Litauen als das beste Theaterstück des Jahres 2010 ausgezeichnet wurde, wird bei NORDWIND zu sehen sein. Dieser Abend präsentiert zeitgenössisches Theater auf höchstem Niveau, neue Möglichkeiten der Schauspielkunst und Ausdrucksformen von Regie.

Schritt für Schritt entwickelt sich das NORDWIND Festival zu einer der wichtigsten Plattformen für die Entwicklung des interkulturellen Dialogs zwischen Deutschland und den nordischen und baltischen Staaten. Die Bedeutung des Festivals für die Förderung unserer kulturellen Vielfalt sowie die Stärkung des Bewusstseins, einem gemeinsamen Kulturraum anzugehören, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich hoffe, dass der Wind seine gewählte Richtung und Kraft auch für die Zukunft beibehält und dass das Festival kontinuierlich kreative und kunstschaffende Menschen zusammenbringt.

Ich wünsche Inspiration für die Festivalsteilnehmer, Aufregung für das Publikum und viel Erfolg für die Organisatoren. Ich hoffe, dass mit der Erweiterung der kulturellen Landkarte des Festivals litauisches Theater zu einer wertvollen Entdeckung für alle Festivalbesucher werden wird.

Šarūnas Birutis

Kulturminister Litauen

Schirmherr NORDWIND

 

Profil

»Von einem kleinen 2006 in Berlin gegründeten Festival hat sich Nordwind in seiner vierten Ausgabe zur grössten Plattform des Austauschs zwischen skandinavischen, baltischen und deutschen Künstlern entwickelt (...).«
 
Welt am Sonntag, 04.12.2011
 
NORDWIND ist die interdisziplinäre Plattform für performative Künste aus dem europäischen Norden, die sich als Netzwerk, Koproduzent und Entdecker versteht. Ziel von NORDWIND ist es, Künstler, Theater- und Kulturschaffende aus den nordischen und baltischen Ländern in Deutschland bekannt zu machen und einem internationalen Publikum vorzustellen, neue künstlerische Impulse aufzunehmen und weiterzugeben sowie europaweit den Austausch mit Deutschland und den nordischen bzw. baltischen Ländern zu fördern.
 
2006 wurde NORDWIND in Berlin als biennales Festival gegründet und ist seitdem kontinuierlich strukturell und finanziell gewachsen. Seit der Gründung hat NORDWIND die Anzahl der eingeladenen Produktionen und die Publikumsmenge nahezu verzehnfacht. Entsprechend vielfältiger wurde das Programm in Bezug auf repräsentierte Ästhetiken, Inhalte und künstlerische Disziplinen. Zuletzt fand das Festival vom 25. November bis 16. Dezember 2011 in Berlin und Hamburg statt, mit über 120 beteiligten Künstlern aus Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Island und Estland. Mehr als 7500 Zuschauer und internationale Kulturschaffende sahen über 70 Veranstaltungen; 192 regionale, nationale und internationale Medien berichteten über das Festival.
 
NORDWIND ist Europas größte und wichtigste Plattform für nordische Künste. In den nächsten Jahren soll NORDWIND noch präsenter werden. Mit einer Vielzahl nordischer, deutscher und internationaler Partner wird das NORDWIND Netzwerk kontinuierlich ausgebaut. In den kommenden vier Jahren will NORDWIND weitere Städte als Austragungsort und Plattform-Partner hinzugewinnen. Bereits für das kommende Festival 2013 konnten mit dem Festspielhaus Hellerau in Dresden ein weiterer Festspielort gewonnen werden.
 
Nachdem sich das Festival in den vergangenen Jahren primär als Entdecker-Plattform für die performativen Künste aus den nordischen Ländern hervorgetan hat, engagiert sich NORDWIND in Zukunft noch stärker als bisher als Koproduzent, Initiator und Förderer. NORDWIND wird mehr und mehr auch unabhängig vom Festival als  Plattform und Partner agieren, um das Netzwerk zu festigen und nachhaltig internationalen Austausch zu betreiben. Das weiterhin alle zwei Jahre in mehreren Städten stattfindende NORDWIND-Festival wird die Arbeitsergebnisse der Plattform präsentieren und die große Vielfalt und Innovationskraft der nordischen Künste und Kultur dokumentieren.
 

Kernländer

Zu den sogenannten Kernländern von NORDWIND gehören Island, Finnland, Schweden, Dänemark und Norwegen. NORDWIND knüpft zunehmend Kontakte zu den baltischen Staaten, die kulturell sowohl von Europa wie von ihrer Sowjetvergangenheit geprägt sind. Die nordischen und baltischen Länder haben mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten und können kaum als ein gemeinsamer Kulturraum bezeichnet werden. Jedes Land hat eine spezifische Geschichte und ist jeweils von sehr unterschiedlichen Einflüssen und Ereignissen sowohl politisch, wie auch gesellschaftlich und kulturell geprägt. All dies bildet die jeweiligen Eigenarten ebenso aus, wie das starke Bewusstsein einer nationalen Identität.
 
Gemeinsamkeiten gibt es dennoch. Im Norden Europas leben auf verhältnismäßig großer Fläche nur wenige Menschen; das Terrain an der Grenze zur Arktis ist lebensfeindlich, die Natur sehr präsent und einflussreich in Hinblick auf den Alltag der Menschen. Die Winter sind lang, dunkel und kalt, die Sommer kurz und hell, die Entfernungen weit. Gemeinsam ist den nordischen Ländern auch das Bewusstsein über ihre geographische Position am Rand von Europa, sind sie doch teilweise als Inseln oder Halbinseln mehr oder weniger isoliert vom ‚Festland’. Ob es dieser Isolation zu verdanken ist oder den langen Winterabenden: Die nordischen Länder sind berühmt für mutige Innovationen und Vorreiterpositionen, die sie oft zum Impulsgeber und Trendsetter machen – sei es im politischen, wissenschaftlichen, technischen oder kulturellen Bereich. Die jeweiligen Kunstszenen sind stark, vielfältig und erfindungsreich; überraschen immer wieder mit mutigen Experimenten und stolzer Radikalität ohne jede Gefallsucht.
 
International agierende Protagonisten der nordischen und baltischen Szene wie Kristian Smeds, SIGNA, Vinge/Müller, Hooman Sharifi, Alvis Hermanis haben die Wahrnehmung der nordischen Theaterästhetik im Ausland entscheidend gefördert und geprägt. Die freie Kunst-Szene kann sich besonders in den baltischen Ländern teilweise jedoch nur unter schwierigen strukturellen und finanziellen Bedingungen entwickeln. Die nationalen Szenen sind jeweils sehr klein und hermetisch. Die Folge dessen ist einerseits ein bemerkenswerter, unverwechselbarer und konsequenter ästhetischer Stil; andererseits fehlt aufgrund des mangelnden Inputs von außen die Reibungsfläche und damit die Möglichkeit zu Konfrontation und Weiterentwicklung.
 
Für finanzielle Förderung und künstlerischen Austausch vernetzen sich die nordischen und baltischen Länder zunehmend erfolgreich untereinander; der Anschluss an den internationalen Markt sowie an dessen ästhetische Diskurse ist jedoch nach wie vor schwach ausgeprägt. Auch die internationale Wahrnehmung der nordischen Szene ist noch relativ gering; viele nordische und baltische Künstler entscheiden sich deshalb für die Arbeit im Ausland und verlagern ihren Wohnort z.B. nach Berlin. Für den Aufbau der eigenen Kulturszenen und die Förderung der jeweiligen Spezifik brauchen diese Länder den regen Austausch mit und die Anbindung an das europäische Festland. Nur so können sich ihre Städte zu attraktiven Standorten mit einer lebhaften kulturellen Szene für Künstler und Produzenten aus dem In- und Ausland entwickeln.
 
Der Dialog mit nordischen Ländern bietet auch deutschen Künstlern und Kulturschaffenden eine gewinnbringende Konfrontation mit abweichenden künstlerischen Positionen und die Erfahrung neuer ästhetischer Impulse. Daraus ergeben sich wichtige Perspektiven in Bezug auf alternative Praktiken von Kunst, Gesellschaft und Politik sowie neue Möglichkeiten, diese diskursiv zu verhandeln. Beispielhaft dafür sind die großen Erfolge der künstlerischen Forschung mit ihrer interdisziplinären Verzahnung von Wissenschaft und Kunst sowie die kulturelle Bildung, die einen wesentlichen Beitrag zum spielerischen Lernen und Verstehen in frühesten Jahren herstellt. Die Attraktivität des »Schwedischen Modells« für deutsche Politiker ist nur ein Beweis dafür, wie intensiv die kulturelle und gesellschaftliche Debatte der nordischen Länder verfolgt wird.
 

Partner und Netzwerk

Deutschsprachige Spielstätten von NORDWIND

- Berlin: HAU Hebbel am Ufer | www.hebbel-am-ufer.de

- Hamburg: Kampnagel Kulturzentrum | www.kampnagel.de

- saasfee*pavillion | www.saasfee.de/pavillon

- Dresden: HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste Dresden | www.hellerau.org

 
 

Weitere Partner in Planung

- Düsseldorf: Kunstakademie Düsseldorf | www.kunstakademie-duesseldorf.de

- Düsseldorf: Düsseldorfer Schauspielhaus | www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

. Schweiz: Neumarkttheater Zürich | www.theaterneumarkt.ch

- Frankreich: Théâtre de Gennevilliers, Paris | www.theatre2gennevilliers.com/2012-13/

- Österreich: Brut Wien | www.brut-wien.at/de/

- Österreich: Schauspielhaus Wien | www.schauspielhaus.at

- Österreich: ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival | www.impulstanz.com

- Polen: Internationales Filmfestival Warschau | www.wff.pl/en/

- Ukraine: Center of Contemporary Art »DAKH«, Kiew | www.eepap.org

- Belgien: Dansand! Festival, Ostende | www.dansand.be

- USA: Under the Radar Festival, New York | www.undertheradarfestival.com

 
 

Die nordische Partner und Spielstätten

- Dänemark: Betty Nansen Teatret | www.bettynansen.dk

- Norwegen: CODA Oslo International Dance Festival, Oslo | www.codadancefest.no

- Norwegen: Black BOX Oslo | www.blackbox.no

- Schweden: Inkonst, Malmö | www.inkonst.se

- Island: Lokal Festival | www.lokal.is

- Finnland: Baltic Circle Festival, Helsinki | www.balticcircle.fi

- Finnland: Zodiak Center for New Dance, Helsinki | www.zodiak.fi

- Lettland: New Theatre Institute of Latvia | www.theatre.lv

- Estland: Von Krahl Theatre, Tallinn | www.vonkrahl.ee

- Eastland: Kanuti Gildi Saal Tallinn | www.saal.ee

- Litauen: Vilnius City Theatre | www.okt.lt

 

NORDWIND in Kooperation mit

Nordic Culture Fund, Nordic Culture Point, Finnish Cultural Foundation, Ministry of Foreign Affairs – Norway, The Norwegian Association for Performing Arts, Danish Performing Arts Agency, Arts Council Finland, Finnish Theater Information Center, Swedish Arts Council, Swedish Institute, Finnish Institute in Germany, Cultural Fund for Sweden and Finland, Swedish Cultural Foundation in Finland, Ministry for Foreign Affairs of Iceland, Embassy of Finland, Embassy of Norway, Embassy of Sweden, Embassy of Iceland, Embassy of Denmark, Embassy of Estonia, Ministry for Culture of Estonia, Finland´s Consulate General, Hamburg, ESEK, ROSA – The Danish Rock Council